Schloss Rochow
Rochow-Museum Reckahn

Sechster Raum - Besucherströme

Reisen war im 18. Jahrhundert eine beschwerliche Sache. Die Verkehrswege waren im Kutschenzeitalter meist unbefestigt und kaum ausgebaut. Rad-, Achsen- und Deichselbrüche gehörten zum Alltag. Auch Straßenraub war an der Tagesordnung.

Wie Anton Friedrich Büschings "Beschreibung seiner Reise von Berlin über Potsdam nach Reckahn (1775)" zeigt, dauerte diese einen Tag. Für die im Verzeichnis der Besucher der Reckahner Schule aufgeführten ca. 1200 Personen war die zuweilen über 1000 km führende Reise eine kostspielige, zeitaufwendige und gefahrvolle Expedition. Trotzdem kamen nach Reckahn erstaunliche Besucherströme, weil sie dort Bauernjungen und Bauernmädchen als vernünftige Geschöpfe im menschenfreundlichen Unterricht des Lehrers Heinrich Julius Bruns (1746-1794) beobachten wollten. Zurecht galt Reckahn als pädagogisches Mekka der pädagogischen Prominenz und Aufklärungsgesellschaft im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts.

So schrieb Jakob Friedrich Feddersen in der Folge seines Besuchs am 2. Mai 1775 im Jahr 1778 über Reckahn:

„Ach Gott! wäre es doch überall so nahrreich für den Geist; so erbaulich und entzückend für das Herz wie in Reckahn, wie froh würde man immer seyn!“

Bild: Im Vordergrund das originale Besucherbuch der Reckahnschen Schule. Im Hintergrund die vergrößerte Reisekarte aus Büschings "Beschreibung seiner Reise von Berlin über Potsdam nach Reckahn" (1780). Daneben die Büste des Besuchers und Verlegers Friedrich Nicolai.