Schloss Rochow
Rochow-Museum Reckahn

Schloss und Gutspark Reckahn

Abb. 1: Schloss Reckahn, 2005

Schon zur Zeit der ersten urkundlichen Erwähnung Reckahns hatte die Familie von Rochow hier einen Wonsitz. Dieser war allerdings kein Schloss, sondern ein "befestigter Platz" in „Duster- Reckahn“. Heute sind nur noch Wälle zu sehen. Danach scheint nahe des Dorfes ein "festes Haus" errichtet worden zu sein. Tobias von Rochow beauftragte im Jahre 1605 einen Wittenberger Baumeister mit dem Bau eines neuen zweigeschossigen Gutshauses. Dieses stellt ein seltenes Beispiel für den Übergang vom "festen Haus" zum repräsentativen Herrenhaus in der Mark Brandenburg dar.

Abb. 2: Ansicht Altes Gutshaus

Friedrich Wilhelm von Rochow (1690-1764) ließ zwischen 1726 und 1729 ein barockes Schloss möglicherweise von einem Schlüter - Nachfolger errichten. Das Schloss ist eine symmetrische, eingeschossige Dreiflügelanlage auf hohem Sattelgeschoss mit kurzen hofseitigen Flügeln, Putzgliederung und steilem Mansardenwalmdach mit Gaupen. Das äußere Erscheinungsbild wird durch einen erhöhten, polygonal vorspringenden zweigeschossigen Mittelbau geprägt, der den Treppenturm aufnimmt. An der Gartenfront befinden sich einachsige Seitenrisalite. Das Schloss hat eine Längsausdehnung von etwa 30 Metern und ist ca. 20 Meter breit. Im Vestibül finden wir hofseitig das Treppenhaus mit einer symmetrisch angelegten doppelläufigen Treppe, die zum Keller, aber auch zum Obergeschoss führt.

Abb. 3 Grundriss Schloss
Abb. 4: Foto von Klassenraum im Schloss 1946
Abb. 5: Plan der Rekonstruktion des Gutsparks und Bruhnsdenkmal.

Zur Gartenseite befindet sich in jedem Geschoss ein oktogonaler Saal. Im Erdgeschoss liegt der Gartensaal, der Durchlass zu Ess-, Wohn-, Arbeits- und Schlafzimmern gewährte. Im Obergeschoss befindet sich der ehemalige Theatersaal. Ursprünglich enthielt das Dachgeschoss nur diesen Saal, der Rest war nicht ausgebaut. Das Schloss war mit Öfen ausgestattet, von denen heute noch zwei gut erhalten sind. Besonders jener aus der Werkstatt eines Potsdamer Ofenbaumeisters, den Herta von Rochow 1941 anlässlich einer Töpferausstellung gekauft hat, zieht heute noch die Blicke der Besucher auf sich. Es sind biblische Szenen von der Erschaffung Adams und Evas bis zur Offenbarung des Johannes dargestellt.
Mit dem Bau des Schlosses bis 1729 entstand auch ein regelmäßig angelegter Wirtschaftshof, der das alte Herrenhaus, Ställe, Remisen und Schuppen umfasste. Die meisten Gebäude des Gutshofes, wie z. B. die Scheunen, die den Wirtschaftshof nach Westen abgrenzten, wurden 1947 / 48 abgerissen und das Material für den Bau von Neubauernhäusern verwendet. Ein Stall wurde ausgebaut, so dass drei Wohnungen entstanden.

 

In das Schloss zog 1946 die Schule ein. Diese stellte den Unterrichtsbetrieb 1996 ein. Am 11. Oktober 1984 eröffnete zum 250. Geburtstag die erste Gedenkstätte für Friedrich Eberhard von Rochow im Schloss.

Die zur Bauzeit des Schlosses angelegte Parkanlage hat Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) nach 1760 als englischen Landschaftsgarten mit 21 ha umgestaltet. Inspirierend auf die Gestaltung hat der freundschaftliche Kontakt und das gemeinsame Jagdinteresse mit Franz von Anhalt-Dessau (1740-1817) gewirkt, der das Wörlitzer Gartenreich schuf. Der landschaftliche Naturraum mit einem ursprünglich differenzierten Wege- und Wassersystem sowie unter Einbeziehung nutzbringender Äcker und Wiesen wurde als Ideal der „schönen Gartenkunst“ empfunden. Friedrich Eberhard von Rochow ließ u. a. das Flussbett der Plane vertiefen und die Ufer erhöhen. In unmittelbarer Nähe des Herrenhauses befand sich der „Lustgarten“ – ein Obst- und Küchengarten mit Zierwert. Ein Grabensystem mit Karpfenteich rechte unmittelbar an den Gutshof. Weiter südlich schloss sich ein 1777 erstmals erwähnter „Thiergarten“ an. 1794 ließ Friedrich Eberhard von Rochow seinem Schulmeister Heinrich Julius Bruns (1746-1794) ein Denkmal errichten – das in Deutschland einzig bekannte Denkmal für einen Volksschullehrer.

Abb. 6: Das Bruhnsdenkmal im Schlosspark.

Veränderungen am Herrenhaus und im Park erfolgten zu Lebzeiten von Gustav Adolf Rochus von Rochow (1792-1847). Am südlichen Rande des Landschaftsgartens befindet sich das um 1911 angelegte Erbbegräbnis der Familie von Rochow.
Die Gemeinde Kloster Lehnin hat 2004/2005 erste Teile der insgesamt 21 ha großen Reckahner Parkanlage saniert. Charakteristische Merkmale der museumspädagogischen Innenraumkonzeption der Dauerausstellung „Vernunft fürs Volk – Friedrich Eberhard von Rochow im Aufbruch Preußens“ im Rochow-Museum (2001) wurden in die landschaftliche Außenraumgestaltung übersetzt. Damit werden die ökonomischen, landschaftlich-ästhetischen und freundschaftlich-geselligen Ideen im Sinne des Philanthropen, Bildungs- und Agrarreformers Rochow zu einer im modernen Sinne volksaufklärerischen Gesamtkonzeption zusammengeführt.
Das Projekt wurde gefördert durch das Land Brandenburg und die Gemeinde Kloster Lehnin im Rahmen der Richtlinie des Ministeriums für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Verbraucherschutz für die Förderung der integrierten ländlichen Entwicklung vom 12. Mai 2004.

Weitere Informationen:
Frank Tosch: Gutspark Reckahn. Einer der ältesten Landschaftsparks Brandenburgs. Faltblatt aus Anlass der Wiederherstellung eines Teils des denkmalgeschützten historischen Parks am Herrenhaus Reckahn, 2005, im Museumsshop des Rochow-Museums.

Schloss Reckahn, hrsg. von den Freunden der Schlösser der Mark, 2002